Viele kennen Rizinusöl als natürliches Abführmittel. Was jedoch oft unbekannt ist: Es ist viel mehr als nur ein Helfer gegen Verstopfung! Rizinusöl ist ein wahres Beautywunder und ein Allrounder in der Kosmetik – sowohl Haare, Wimpern, Augenbrauen als auch Nägel können von seiner Wirkung profitieren. Außerdem regt es die Kollagenproduktion der Haut an, beugt somit der Faltenbildung vor und wirkt sogar gegen Pickel, Warzen und Pigmentflecken. Wie Du es wirkungsvoll zur Körperpflege einsetzen kannst, verraten wir Dir in diesem Artikel.

Woher kommt das Rizinusöl und wie wird es hergestellt?

Die Mutter des Öls ist ein Strauch. Der sogenannte Rizinus (Ricinus communis) stammt ursprünglich aus Afrika und gehört der Familie der Wolfsmilchgewächse an. Der Rizinus hat viele Namen und ist bei uns als auch Christuspalme, Kreuz- oder Läusebaum sowie auch als Wunderbaum bekannt.

In Afrika erreicht der strauchartig verzweigte Rizinus eine Wuchshöhe von vier bis zwölf Metern und bildet mit der Zeit einen verholzten Stamm. In Südeuropa wächst er eher wie eine Staude, stirbt im Winter oberirdisch ab und treibt im Frühjahr neu aus. Die kalten deutschen Wintermonate überlebt der frostempfindliche Rizinus kaum und wird bei uns daher als einjährige Pflanze kultiviert. Das Wuchstempo ist aber enorm: In einer Saison kann dieser „Wunderbaum“ Höhen bis zu zwei Metern erreichen.

Optisch zeichnet sich der Rizinus durch seine interessante Laubfärbung und -form sowie durch seine Früchte aus. Die Blätter sind groß (30 – 50 Zentimeter breit) und schimmern grün-violett. Die Form erinnert an die Blätter einer Rosskastanie. Die Fruchtstände unterteilen sich in zwei Ebenen: Oben sitzen die weiblichen Blüten. Sie sind rot, abfallend und haben einen Fruchtknoten mit drei Fruchtblättern. Darunter finden sich die „Männer“ mit ihren gelben, verzweigten Staubblättern.

Die Pflanze blüht von Juli bis September und bildet in dieser Zeit etwa zwei Zentimeter große Kapselfrüchte aus. Darin sind jeweils drei rotbraun marmorierte Samen, die sogenannten „Castorbohnen“, enthalten. Sie haben eine sehr harte Schale und ein kleines, wurzelartiges Anhängsel.

Der Hauptinhalt dieser Samen ist ein fettiges Öl – das bekannte Rizinusöl. Um dieses zu gewinnen, ist ein spezielles Vorgehen notwendig: Qualitativ hochwertiges Öl erhält man durch Kaltpressung der geschälten Samen. Dies bedeutet, dass es durch Auspressen der Samen bei Temperaturen unter 40 Grad gewonnen wird. Auf diese Weise wird verhindert, dass das hochgiftige Rizin (eine spezielle Eiweißverbindung), das in der Samenschalte steckt, in das Öl übertritt. Anschließend wird es mit heißem Wasserdampf behandelt, um auch kleinste Spuren des hitzeempfindlichen Rizins, die darin eventuell enthalten sein könnten, zu entfernen.

Aus den Schalen, dem Schrot, entsteht ein sogenannter „Presskuchen“. Vor seiner Weiterverarbeitung z. B. als organischer Rohstoff für Gartendünger müssen die Pressrückstände ebenfalls erhitzt werden, damit sich das Gift zersetzt.

Achtung: Früchte und Samen nicht essen!

Rizinus eignet sich z. B. im Garten mit seinem imposanten Blattwerk als Blickfang. Außerdem lässt er sich durch seinen schnellen Wuchs optimal einsetzen, um Lücken in Beeten zu schließen. Allerdings ist Vorsicht geboten: Die Früchte und Samen dürfen wegen des giftigen Rizins auf keinen Fall gegessen werden! Kinder sind besonders gefährdet, da die Samen der Pflanze gut schmecken. Als für den Menschen tödliche Dosis gelten 0,25 mg des Wirkstoffs. Und das kann schon einem Samenkorn entsprechen!

Nach dem Verzehr treten Erscheinungen wie ein Brennen in Mund und Rachen, Übelkeit und Erbrechen auf. Der Magen- und Darmtrakt kann sich entzünden und Krämpfe sowie blutige Durchfälle mit sich bringen. Weiterhin kann es zur Entzündung der Nieren kommen. Zudem können sich die roten Blutkörperchen verkleben, Thrombosen entstehen. Durch Kreislaufversagen tritt der Tod nach etwa 2 Tagen ein.

Auch für Rinder, Kühe, Pferde, Schafe, Ziegen, Schweine sowie für Katzen, Hunde, Kaninchen, Hasen, Hamster und Meerschweinchen, Hühner, Gänse und Vögel ist der Rizinus giftig. Sie leiden nach einem Verzehr unter denselben Symptomen wie der Mensch.

Du brauchst jedoch keine Angst vor dem Öl zu haben: Das Rizinusöl selbst ist völlig ungiftig und besticht durch seine wunderbare medizinische und kosmetische Wirkung.

Wirkung und Inhaltsstoffe von Rizinusöl

Dieses Öl war schon bereits vor 4000 Jahren bei den alten Ägyptern bekannt. Auch in Indien und China nutzte man es zu Heilzwecken. Im Papyrus Ebers, einem der ältesten noch erhaltenen Texte weltweit, das sich mit Beschreibungen von Krankheiten, deren Symptomen und Diagnosen beschäftigt, erwähnt das Rizinusöl als Abführmittel und Öl für kosmetische Zwecke.
Kein Wunder – denn als Hautpflegemittel ist das Öl Gold wert: Es spendet Feuchtigkeit, glättet die Haut, zieht intensiv ein, schützt und fördert die Kollagenproduktion. Hautverletzungen aller Art heilen schneller, wenn sie mit Rizinusöl behandelt werden. Das gilt auch für Hautprobleme wie Akne, Schuppen- oder Ringelflechte.
All diese und noch viele weitere Wirkweisen stützen sich auf die Kombination der verschiedenen Inhaltsstoffe. Die wichtigsten sind:

  • Ricinolsäure

    Rizinusöl besteht bis zu 85% aus Ricinolsäure, einer ungesättigten Omega-9-Fettsäure. Sie ist zum einen verantwortlich für die abführende Wirkung, zum anderen wird sie in der Geburtshilfe in einem sogenannten Wehencocktail genutzt, um die Geburtswehen auszulösen.

    Weiterhin wird das Zinksalz in der Ricinolsäure als desodorierender Zusatz in Deostoffen und als Geruchsbinder in Cremes, Lotionen oder auch Fußpflegeprodukten genutzt. Dabei stoppt das Zinksalz nicht die Transpiration, sondern hilft dabei, die übel riechenden Stoffe, die durch die bakterielle Zersetzung des Schweißes entstehen, einzudämmen.

  • Linolsäure

    Essentielle Fettsäuren sind für die Gesundheit des Menschen unentbehrlich. Eine der wichtigsten stellt die Linolsäure dar. Sie stabilisiert die Strukturen der Zellmembranen unter der Haut – daher macht sie auch etwa 20% der in der gesunden Haut vorkommenden Fettsäuren aus. Ist der Anteil geringer, wird die Haut trocken, sie schuppt und büßt Elastizität ein. Linolsäure spendet Feuchtigkeit. Sie kann wie andere essentielle Fettsäuren nicht im Körper oder der Haut selbst gebildet und muss daher von außen zugeführt werden. Hierzu bieten sich Pflanzenöle wie Sonnenblumen-, Distel- oder eben Rizinusöl an. Weiterhin hat Linolsäure starke entzündungshemmende Eigenschaften und wirkt daher besonders gut zur Behandlung von z. B. Akne oder Psoriasis (Schuppenflechte). Eine weitere positive Wirkung ist, dass Linolsäure gegen dunkle Verfärbungen der Haut helfen kann, die z. B. infolge von Akne, während der Schwangerschaft oder durch intensive Sonnenbäder ohne Schutz entstehen können, indem sie die Melaninsynthese reguliert. Melanin ist ein Hautpigment, das für die Farbe der Haut, Haare und Augen zuständig ist.

  • Palmitinsäure

    Sie ist ein wichtiger Bestandteil der natürlichen Hautbarriere und schützt den Körper gegen äußerlich eindringende Stoffe. Ihr Anteil in der Haut verringert sich mit zunehmenden Lebensalter, daher werden Öle, die reich an Palmitinsäure sind, gerne in Anti-Aging-Produkten für reife Haut eingesetzt.

Rizinusöl in der Medizin

Das Öl findet im medizinischen Bereich vorrangig Anwendung bei der Anregung der Darm- oder Wehentätigkeit.

  • Rizinusöl gegen Verstopfung

    Rizinusöl gegen Verstopfung

    Das Öl ist ein altes Hausmittel, um Verstopfung zu behandeln.

    Im Gegensatz zu vielen anderen Abführmitteln tritt die Wirkung sehr schnell innerhalb von zwei bis vier Stunden ein. Zur Anwendung eignet sich Rizinusöl aus der Apotheke. Morgens vor dem Frühstück werden ein bis zwei Esslöffel davon pur eingenommen.
    Da es einen eigentümlichen Geschmack hat, der nicht jedermanns Sache ist, kann es auch mit anderen Flüssigkeiten gemischt werden: Hier bieten sich Mischungen mit warmer Milch an, die bei Bedarf auch noch mit Honig, Agavendicksaft oder Ahornsirup abgeschmeckt werden können. Die „Abführ-Trank“ sofort nach der Zubereitung konsumiert werden, damit sich das Öl nicht absetzt.

    Warum wirkt das Rizinusöl aber nun abführend?
    Die darmanregende Wirkung resultiert nicht auf direktem Wege aus den Inhaltsstoffen des Öls, sondern aus der Aktivierung verschiedener Vorgänge im Körper.
    Nach der Einnahme am Morgen auf nüchternen Magen werden im Dünndarm bestimmte Enzyme (Lipasen) freigesetzt, die der Körper aus der Ricinolsäure bildet. Die Darmschleimhaut wird dadurch minimal gereizt, wodurch die Aufnahme von Natrium und Wasser aus dem Darm wirkungsvoll gehemmt wird. Im gleichen Schritt gelangen Elektrolyte und Wasser in den Darm, der Stuhlgang wird weich und nimmt an Volumen zu. Weiterhin werden Enzyme gehemmt, die die Darmmuskulatur erlahmen lassen – daraus resultiert eine höhere Darmtätigkeit.

    Rizinusöl spielt als Abführmittel auch eine wichtige Rolle vor dem Beginn einer Fastenkur, um den Körper zu entgiften.

  • Rizinusöl im Wehencocktail zur Geburtseinleitung

    Rizinusöl im Wehencocktail zur Geburtseinleitung

    Wenn der Geburtstermin überschritten ist und Schwangere schon mindestens 10 Tage überfällig sind oder der Blasensprung bereits stattgefunden hat, die Wehen jedoch auf sich warten lassen, kann die Hebamme der werdenden Mutter mit einem Wehencocktail helfen. Dieser besteht meist aus Aprikosensaft und Rizinusöl. Er aktiviert die Wehen durch kräftige Darmbewegungen. Während der Schwangerschaft wird die Gebärmutter größer, der Darm verschiebt sich und legt sich um den Uterus herum. Durch die gesteigerte Darmaktivität werden die Muskeln in der Gebärmutter aktiviert, nach etwa drei bis sechs Stunden kommt es zu Wehen.

  • Rizinusöl zur Hilfe für die Haut

    Rizinusöl zur Hilfe für die Haut

    Das Erscheinungsbild schuppiger Haut, von Narbengewebe, Alters- und Pigmentflecken lässt sich durch den Einsatz von Öls verbessern.
    Entzündliche Hauterkrankungen können schneller abheilen, wenn man die betroffenen Stellen mit Rizinusöl behandelt. Außerdem wirkt es sich wie ein Schutzfilm auf kleine Wunden, Fissuren und Risse der Haut aus. Daher können auch die Beschwerden, die Hämorrhoiden mit sich bringen, durch die gute Tiefenwirkung behandelt werden. Es dringt in die tiefen Hautschichten ein, erreicht die Zellzwischenräume und stellt die Elastizität verletzter Zellen wieder her.

  • Rizinusöl gegen Schmerzen

    Rizinusöl gegen Schmerzen

    Als Kompresse oder Auflage kann es auf wunde oder schmerzende Körperstellen gelegt werden. Wichtig ist, dass das Öl dabei etwa handwarm sein sollte. Die Kompresse sollte mit einer Wärmflasche warm gehalten werden.

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Rizinusöl in der Kosmetik

Das Öl ist vielseitig einsetzbar und entfaltet seine Wirkung als Schönheitshelfer an vielen Stellen Deines Körpers.

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